Bericht Etzel’s Bärenhöhle

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Nachrichten von der Pflegestelle „Etzels Bärenhöhle“
Hallo, mich kennt Ihr ja schon und ich hatte versprochen, mich um unsere Neuzugänge Aaron und Spike zu kümmern. Aaron war ein 8-jähriger schwarzer Neufi-Rüde und Spike ein 10-jähriger Mischling aus einem Berner Sennenhund und einem Hovawart. Aufgrund ihres Alters sollte sie dauerhaft in unserer Pflegestelle leben. Also blieben wir, Erro und ich in unserer großen Bauernküche mit Direktausgang zum Hof und Aaron und Spike kamen in die dazugehörigen Vorräume. Und wie das halt in einem über 160 Jahre alten Bauernhaus ist, war auch die Zwischentür in die Jahre gekommen und wies einen 2-3 cm breiten Spalt zwischen Türblatt und Türstock auf. Dieser Spalt wurde sofort zum Kampfplatz von Spike (Hovawart mal Berner Senn) und Haushund Erro (Rottweiler mal Berner Senn), also eine recht explosive Mischung. Frauchen sagte nur …… na das kann ja heiter werden!!!
Am nächsten Tag, nach einer sehr lauten Nacht, kamen zuerst Erro und ich auf den großen fest eingezäunten Hof, um uns die Beine zu vertreten. Danach wurde gewechselt und Aaron und Spike kamen raus. Sie rannten sofort los und erkundeten den Hof. Merle, unsere 11jährige Katze erreichte gerade noch den untersten Ast der Linde und machte aus sicherer Höhe ihrem Unmut über solch rüpelhaftes Verhalten gehörig Luft. Sie ist zwar eine Kampfkatze, aber die zweifache Übermacht war ihr wohl zu viel. Der Neufi Aaron hatte sich in den 8 Jahren ihres Zusammenseins das Jagdverhalten von Spike abgeguckt und so wurde alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war, gnadenlos gejagt. Nach dem Frühstück und einem Vormittagsschlaf nahm Frauchen die beiden an die Leine zum Spaziergang über die Koppeln. Fehlanzeige – wir und an der Leine gehen – nein. Wir lieben die Freiheit (die beiden waren eben mal zusammen 30 kg schwerer als Frauchen und hatten entsprechende Zugkraft). Frauchen entschloss sich nun, mit jedem einzeln zu gehen. Mit Spike ging das ja noch; er besann sich darauf, dieses einmal gelernt zu haben. Dann kam der Neufi dran und wie erwartet, er war es gewöhnt dahin zu gehen, wo er hin wollte und was das andere Ende der Leine vorhatte , interessierte ihn überhaupt nicht. Doch Frauchen gab nicht auf und in den nächsten Tagen fand sie mit Konsequenz und List einen Kompromiss, mit dem beide leben konnten. Nun stand noch das Problem der Zusammenführung unserer Kampfhähne auf dem Programm. Zwischenzeitlich hatte Frauchen Erro, Aaron und mich zusammengetan – das ging ganz gut. Es nahte Hilfe in Form von zwei Wanderreiterinnen, die auf dem Gestütsweg von Redefin nach Neustadt/Dosse unterwegs waren und bei uns für 2 Tage Quartier nahmen. Die beiden Mädels bekamen jeweils eine Leine mit Hund in die Hand gegeben – Frauchen nahm Erro und ich durfte so mitgehen, ich bin ja auch ein vernünftiges Mädchen. Dann kam das Kommando – Leinen los und die beiden – Erro und Spike – gingen zueinander mit gesträubtem Nackenhaar und Frauchen rief laut – artig sein-. So ging es ganz gut. Am nächsten Tag das gleiche Spiel, es ging gut. Dann ritten ja die beiden Mädels weiter und Frauchen versuchte es nun alleine mit uns Vieren. Das klappte zwei Stunden richtig gut, dann gingen die beiden aufeinander los und machten Ernst. Frauchen ging, obwohl sie schon mehrfach schmerzhafte Erfahrungen mit Hundezähnen gemacht hatte, mutig dazwischen, schnappte beide am Genick, zog sie auseinander und schimpfte fürchterlich. Die nächsten drei Tage das gleiche Spiel. Erro hatte mehrere Löcher in den Ohrläppchen und Spike fast kein Fell mehr über der Schnauze und beide leichte Bisswunden an den Beinen. Da hatte Frauchen die Nase voll. Beißt euch ruhig weiter, tut euch richtig weh, ich will euch nicht mehr. Fortan bekamen beide ihre Futternäpfe wortlos hingestellt, es gab keine Streicheleinheiten mehr und wenn einer von beiden auf sie zukam, hat sie ihn mit harschen Worten weggeschickt und getan als ob sie überhaupt nicht mehr da sind. Nach fünf Tagen hatten sie es endlich begriffen, vielleicht hatten sie erkannt, dass sie sich ebenbürtig waren und beschlossen zusammen die Wache am Hoftor zu übernehmen. Nun begann eine wunderschöne Zeit für uns alle. Wir tobten zu viert auf dem Hof, den Koppeln, im Garten, in Scheune und Ställen und Frauchen nahm uns alle in ihre Arme und lobte uns für unser gutes Verhalten.
Allerdings gab es bald die nächste böse Überraschung. Frauchen entdeckte an Aarons rechtem Auge eine leichte Trübung. Tierklinik Schwerin – Überweisung Spezialaugenarzt Hamburg – das niederschmetternde Ergebnis – es hatte sich ein Glaukom gebildet und die Untersuchung ergab, dass Aaron eine angeborene Fehlbildung beider Augenkammern hat, d.h. in absehbarer Zeit wird auch das zweite Auge blind. Bald folgte die erste OP, die Aaron gut überstand. Da er ohnehin in der Pflegestelle bleiben sollte, wurde kein künstliches Auge (wie bei mir) eingesetzt sondern nach Entfernung des Glaskörpers das Augenlied zugenäht. Leider dauerte die Zeit, bis auch das andere Auge blind wurde, trotz Medikamenten nur wenige Monate. Nun brach für Aaron eine Welt zusammen. Er, ein Macho-Typ, für den Streicheleinheiten und körperliche Nähe zu den Menschen keine Bedeutung hatten, war plötzlich hilflos. In Absprache mit dem Tierarzt wurden Aaron zusätzlich Schmerzmittel gegeben und der OP-Termin um vier Wochen verschoben. In dieser Zeit wollte Frauchen ihm helfen, sich an seine neue, jetzt dunkle Welt zu gewöhnen. Sie legte ihm ein Geschirr an, um ihn um die Hindernisse zu führen, doch er wehrte sich dagegen, riss sich immer wieder los und kollidierte natürlich dann mit den Hindernissen. Geduld war gefragt! Und dann passierte auch noch etwas, mit dem wir alle überhaupt nicht gerechnet hatten. Als er seinen alten Kumpel Spike anrempelte, sprang dieser auf, biss sofort zu und verletzte Aaron an der Schnauze und an einem Augenlied. Aaron zuckte zusammen, ließ den Kopf hängen, jaulte und trottete durch den Raum bis er eine Ecke fand und setzte sich hin. Frauchen ging zu ihm, streichelte und sprach ganz leise mit ihm. Nach einer Weile ging sie zu Spike, sagte Platz und setzte sich neben ihn. Dann rief sie Aaron, der nach mehreren Aufforderungen auch kam. Bei einem Abstand von ca. einem Meter wollte Spike aufspringen, doch Frauchen packte ihn am Genick und drückte ihn runter; er knurrte sehr böse. Aaron ging sofort weg. Nachdem sie das mehrfach an dem Vormittag gemacht hatte, wusste Spike was sie von ihm wollte. Erro ging Aaron aus dem Weg oder bellte ihn kurz an und ich habe ja von Anfang an geknurrt, wenn Aaron mir zu nahe kam. Wieder ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Mittlerweile ist fast ein Jahr vergangen und Aaron ist mit nun 11 Jahren ein alter Herr geworden. Wir sind eine richtige Rentnertruppe (von 10 bis 13 Jahren ist alles vertreten) geworden und so nehmen auch unsere Alters-Wehwehchen ständig zu – die Tierarztbesuche werden häufiger und die Liste der nötigen Medikamente immer länger. So kommen schnell Beträge bis weit über 100 Euro zusammen. Deshalb bitte ich an dieser Stelle, auch im Namen der anderen alten und kranken Hunde in unseren Pflegestellen um eine Spende, ist sie auch noch so klein. Sie hilft dem Verein auch alten und kranken Hunden noch einen hundegerechten Lebensabend zu ermöglichen.
Tschüss und vielleicht bis zum nächsten mal
Dolores

Etzels Bärenhöhle
Pflegestelle des Vereins N.i.N
in Mecklenburg
Ilona Conradt

 

 

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